Brunnenepisode 1

Vier Brunnen zählt unser Dorf. Früher wurden sie rege genutzt: Als Tränkestelle für die Tiere, das Waschen von Leibwäsche oder Geräten. Der Brunnen beim Bäckerhaus ist für mich der wichtigste. Dieses Jahr besuchte ich ihn regelmässig zum Wasserholen für unsere Gemüsehochbeete, die wenige Meter unterhalb stehen. Es ist noch gar nicht lange her, da verbrachten wir Mütter mit unseren Kindern die Sommertage an diesem Platz. Laut und ausgiebig badete die Jungmannschaft im Brunnen. Trocken blieben auch wir Frauen nicht. Der Dorfbrunnenmeister sorgte damals mit seinen Putzgängen für Sauberkeit. Das Wasser floss noch mit kräftigem Strahl aus dem Brunnenrohr ins Becken. Seit einigen Jahren ist der Zufluss gedrosselt. Nun plätschert nur noch leise ein Rinnsal. Dennoch pilgerten diesen Sommer Frauen, Kinder und Männer aus dem Oberdorf mit Giesskannen zum kostbaren Nass um ihr Gemüse in den umliegenden Gärten zu wässern. „Simmer alli glich wiit“, begrüssten wir uns jeweils schmunzelnd. Geplaudert und gelacht wurde beim Wasserfüllen, Tagesgeschehnisse oder Neues aus dem Dorf weiter gereicht. Gar manchmal sassen einige länger am Brunnenrand und die Beete mussten in der Dunkelheit erahnt werden. Trotz, oder gerade wegen der grossen Wetter- und Weltsorgen, wurde diese nachbarschaftliche Nähe mit Heiterkeit und Offenheit genossen und gepflegt.

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