Brunnenepisode 2

Unsere fleissige Wasserentnahme vermochte es nicht zu verhindern: Die Algen wuchsen in dieser Hitze üppig. Weitaus effizienter wie das Gemüse in unseren Gärten. Die wenigen, wohl budgetierten, Reinigungen durch die Gemeindearbeiter unterstützten die rasante grüne Entwicklung im Brunnenbecken. Mein Murren über diesen miserablen Service verstanden meine Nachbarn durchaus. Doch eine Wasserträgerin meinte: „Nid ufmugge, s git sicher e unangnähmi Retourkutsche.“ So kamen die Fegbürsten zum Einsatz. Obwohl wir gründlich vorgingen, war klares Wasser bereits wenige Tage später Vergangenheit. Stirnrunzelnd betrachteten wir diese trübe, vorerst algenfreie Angelegenheit. Wir beobachteten nun verstärkt das Geschehen um den Wasserspender. Die grässliche Entdeckung folgte: Der Brunnen diente auch als Hundebad und Waschzentrum für Hundeschleppleinen. „Ich habe für diesen Sommer genug Salat gegessen“, fiel das ernüchternde Fazit eines Wasserträgers aus. Wir Frauen seufzten erleichtert: „Gottlob haben wir keine kleinen Kinder mehr.“ Ein laminiertes Plakat, mit entsprechendem Hinweis auf Hundebadeverbot, sollte Abhilfe schaffen. Es hing, festgenagelt an einem Pfosten, gerade mal zwei Tage. Ein weiteres Exemplar mit leicht verändertem Wortlaut folgte. Auch dieses verschwand innert Kürze. Ein Mädchen aus dem Dorf sprach mich auf das Thema an. Ob es darüber eine Volksabstimmung gegeben habe, dass Hunde nicht in Brunnen baden dürften. Einem Dorfbewohner versuchte ich mein Anliegen zu erklären, als sein Hund neben meiner sich füllenden Giesskanne ins Becken sprang. „Der Hund ist nicht das Problem, sie sind es!“, erhielt ich zur Antwort und schon eilte er um die nächste Hausecke. Mein verdattertes „das wäre eigentlich mein Satz“ blieb ungehört. Offenbar erfreuten wir jemanden ausserordentlich mit unseren Plakaten. Grosszügig lieferte ich eine neue Version, die ebenfalls flugs demontiert wurde. Ersehnte, aufziehende Wolken mit Regen und kühleren Tagen brachten Brunnen, Giesskannen und deren Träger Entlastung. Nun fristet der Brunnen doch eher ein einsames Dasein: Niemand holt mehr Wasser, aber, erstaunlich, auch keine Hunde baden mehr darin.

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